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Mein Freund der (Straßen)Baum

Als wir vor 16 Jahren in die Wohnung zogen, stellten wir fest, dass das Wohnzimmer durch eine Linde vor dem Fenster sehr stark verschattet wird. Das gefiel uns gar nicht, wir beschlossen, dort lieber das Schlafzimmer hin zu verlegen. Nun liege ich schon seit einigen Jahren in diesem Schlafzimmer und schaue beim Blick aus dem Fenster auf diesen Baum und freue mich sehr über den kühlenden Schatten.
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Die Krimlinde vor unserer Wohnung
Die gute Nachricht ist: er ist nicht tot. Die schlechte Nachricht: es geht ihm nicht gut. Ich schätze, er hat seit wir hier wohnen ca. 30% seiner Äste, Zweige und Blätter verloren, er hat also inzwischen eine lichte Krone. Außerdem schon im Juni gelb-braune Flecken auf einigen Blättern. Das sind Anzeichen für einen gestressten Baum. Kein Wunder bei dem trockenen und im Sommer heißen Wetter der letzten Jahre.
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Die Linde und ihre Nachbarin von unten
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Die Baumscheibe nach dem ersten Regen im Juli
GießdenKiez.de behauptet mein Baum, übrigens eine 60 Jahre alte Krim-Linde, habe genug Wasser. Das Grünflächenamt behauptet generell, ausgewachsene Bäume versorgten sich über das Grundwasser und bräuchten deshalb nicht gegossen werden.

Meine Beobachtungen über die schwindende Baumkrone lassen mich daran aber zweifeln. Jedes Jahr kann ich sehen, wie kleinere oder größere Äste  komplett vertrocknet sind. Diese werden regelmäßig vom Grünflächenamt entfernt, sie stellen ja schließlich auch eine Gefahr für die Fußgänger dar.
Der Baum bildet auch durchaus neue Zweige, allerdings ganz unten am Stamm oder in ein paar Meter Höhe und das ist leider nicht da, wo es sich für eine Straßenbaum geziemt. Auch diese Äste entfernen die Baumpfleger. Oben in der Krone scheint nichts nachzuwachsen, und so wird die Krone eben licht.

Um diese Entwicklung vielleicht stoppen zu können, habe ich beschlossen, diesen Baum regelmäßig zu gießen. Bei GießdenKiez habe ich ihn adoptiert.
Meine erste Idee war es, andere Leute im Haus darauf aufmerksam zu machen und wenn jeder zwei Gießkannen schleppt, kämen wir auf die erforderlichen 100 Liter, die man bei einmal Gießen erreichen soll. 
Habe dann aber jemanden gefunden, der eine noch bessere Idee hat und bereit ist, mich tatkräftigst zu unterstützen (oder genauer: alles zu übernehmen, während ich zusehe.) DANKE dafür!
Also die beiden Ladeninhaber im Erdgeschoss fragen, ob sie Wasseranschlüsse haben. Der Kinderladen hat keinen, die Eventagentur stellt gerne ihren Wasseranschluss in ca. 15 m Entfernung vom Baum zur Verfügung. Weist aber auf einen Außenwasserhahn an der Hauswand hin. Die kontaktierte Hausverwaltung hat nichts dagegen, diesen Wasseranschluss für die Baumbewässerung zu nutzen. Wer hätte gedacht, dass es so einfach wird? Dann teilt jedoch die Verwaltung nach einer Prüfung mit, dass der Außenhahn nicht mehr an eine Wasserleitung angeschlossen ist. 
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Karte bei GiessdenKiez: Nicht ganz aktuell, was den Baumbestand auf der Wilhelmsaue betrifft
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Infos über Baum und Wasserbedarf bei GiessdenKiez

Also zurück zur Option mit Schlauch kaufen (lassen), der lang genug ist, um durch die halbe Eventagentur zu führen. Vorher Anschluss angucken und messen. Bei einem Test dann leider feststellen, dass der Schlauch an der Anschlussstelle sehr undicht ist. Das ist ungünstig, hat die Eventmanagerin doch dezent darauf hingewiesen, dass "es keine Spuren hinterlassen sollte".

Inzwischen hat das Wetter von über 30 Grad und großer Trockenheit gewechselt - es hat deutlich abgekühlt und regnet ständig. 71 l in 10 Tagen, das ist ungefähr so viel wie sonst im gesamten Juli.
Mich freut 's, ich mag den Regen. Das Projekt dümpelt wegen fehlender Dringlichkeit etwas vor sich hin. Immerhin wurde der Adapter zwischen Schlauch und Waschbeckenwasseranschluss als der eigentlich Schuldige ausfindig gemacht.
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Tolles Schlauchpatent
Schließlich kurz vor dem anstehenden Urlaub ein erneuter Versuch - diesmal mit Rohrzange und Feudel ausgestattet - , der, wie die Bilder zeigen, erfolgreich verläuft. Naja, ein bißchen tropft es noch. Und so ganz praktisch ist das nicht, den Schlauch immer extra an- und abzubauen, geschweige denn entleeren. 
Es ist übrigens ein tolles Schlauch-Patent, das ich gar nicht kannte: enthält er Wasser, verlängert er sich magischerweise um mindestens das Dreifache. Entleert, schnurrt er wieder zusammen und ist wirklich gut zu händeln und transportieren.
Zurück zum Projektbericht: Nach nur wenigen Minuten gießen stehen Pfützen auf der Baumscheibe. Geht man mal von ca. 10l pro Minute aus, nimmt die Baumscheibe bei einmal gießen wohl keine 80-100l auf. Nächstes Mal schaue ich, wie schnell es versickert.
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Erstes erfolgreiches Gießen
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Pfützen mit ca. 20l Gießwasser
Mal schauen, wann das nächste Mal wieder sein wird. Es hat jetzt insgesamt 120 Liter pro Quadratmeter im Juli geregnet (das sind ca. 50% der bisherigen Gesamtjahresmenge von 264 Litern) und mein Hygrometer in der Wohnung zeigte gerne mal 78% Luftfeuchtigkeit. Ein nebenstehendes Symbol bedeutete mir, ich solle lüften. Ich war da skeptisch. Die von mir konsultierte Wetterapp gab mir recht: draußen herrschten 98% Luftfeuchtigkeit. 

Die Natur aber dankt es und ich kann beobachten, wie auf Nachbarbaumscheiben ganze Wiesen wachsen (wieso auf "meiner" nicht?). Und in direkter Umgebung sehe ich schon seit Jahren, wie die Natur sich nicht unterkriegen lässt. Vielleicht ist meine Sorge doch übertrieben.
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Löwenmäulchen (ausgesät von meinem Balkon?)
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Schnittlauch (könnte auch von meinem Balkon sein)
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Bäumchen ohne Baumscheibe (Hasel?)
Nun habe ich noch in einem Artikel vom 30.7. im Tagesspiegel gelesen, was der Naturexperte des Berliner Senats (Derk Ehlert) zum Juli-Wetter und der Berliner Natur zu sagen hat: "Entwarnung gibt es für Rasen, Blumen und Sträucher, aber da, wo große Bäume ihre Wurzeln haben, herrscht nach wie vor Trockenheit bis schwere Dürre."
Ich bleibe also bei meinem Projekt und werde weiter berichten. Vielleicht erreicht ja auch die Initiative Baumentscheid Berlin mit dem Bäumeplus-Gesetz in den nächsten Jahren etwas Gutes für das Stadtgrün.
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