|
Es finden Feierlichkeiten zu 250 Jahren amerikanischer Unabhängigkeit statt, am 5.7. ist mal wieder der Digital Independence Day und vor einem Jahr habe ich zum Projekt Buycott amerikanischer Produkte berichtet. Guter Zeitpunkt also für ein Update. Schlecht nur, dass es nicht nur keine Fortschritte, sondern Rückschritte zu berichten gibt. Aaaarrrgghhh.
- Facebook-Konto nicht gelöscht, weil der facebooklose Mann just da meinte, er könne über Facebook einen Kontakt zu einer alten Freundin aktivieren. Die sich leider seitdem noch nicht wieder bei Facebook eingeloggt hat, aber wer weiß? Vielleicht ja dann, wenn sie ihren Account schließen will? - YouTube finde ich nach wie vor alternativlos und obendrauf habe ich dort jetzt einen eigenen Account … weil es mit meiner Blogsoftware nicht anders möglich war, Audiodateien zu veröffentlichen (Tanz in den Mai). - Netflix und Spotify immer noch gern genutzte Anbieter. Und demnächst sogar wieder Amazon, denn Clarkson´s Farm will ich nicht verpassen. - Ich komme mit keiner getesteten Map-App klar. Google-Maps bleibt für meine Zwecke die einzig sinnvoll nutzbare. - Zu meinem großen Ärger musste ich zurück zur Microsoft-Cloud, weil die gmx-Cloud nicht mit den Windows-Updates auf meinem Laptop kompatibel ist. - Die Nutzung unserer Microsoft-Office-Lizenz auf dem Laptop funktioniert nach Jahren wieder. Zuvor war ich gezwungenermaßen bei Libre Office. Und was soll ich sagen, ich bin tatsächlich schwach geworden. Ist mir in der Nutzung so viel geläufiger. - Der KI-Chatbot von Mistral hat sich für meine Nutzungszwecke in eine ungünstige Richtung entwickelt. ChatGTP ist deutlich besser und daher nun meine erste Wahl. - Letztes Jahr hatte ich bei meiner Aufzählung Fitbit vergessen - gehört ja Google und heißt jetzt dementsprechend Google Health. So lange die Uhr funktioniert, werde ich sie nicht tauschen. Sie war damals die einzige, die an ein schmales Handgelenk passt. Damit sind wirklich EINE MENGE der von mir als MACHBAR eingestuften amerikanischen Produkte wohl doch eher SCHWIERIG oder UNMÖGLICH. Hier zur Tabelle. Wie frustrierend. Irgendwie findet sich die Entwicklungsrichtung der globalen und nationalen Politik auch in meinen privaten Bemühungen wieder! Stillstand und Backlash allenthalben. Falls das hier also jemand liest, der oder die aufmunternde Hinweise geben möchte … bitte gerne. Ich war wohl zu optimistisch.
3 Kommentare
Wieso heißt der Juni Juni? Vermutlich weil das römische Reich sehr viele Spuren bis heute hinterlassen hat - Juni wird abgeleitet von Göttin Juno. Und da ich mir von Juno nicht so wirklich ein Bild machen konnte - trotz jahrelangem Lateinunterricht - habe ich etwas zu ihr etwas nachgelesen und dann darüber geschrieben. Ich leide an ME/CFS und kann alle Forderungen der "Initiative Liegenddemo" nur unterschreiben:
Versorgung, Aufklärung und verbindliche, wirksame Forschung Während Karl Lauterbach sich glaubhaft einsetzte, ist dies m.E. bei Nina Warken leider nicht der Fall. Ab dem 9. Mai wird überall in Deutschland demonstriert, hier die Termine und Orte. Ich selbst kann die Wohnung nicht verlassen, deshalb freue ich mich sehr, wenn an meiner Stelle liegend demonstriert wird. Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg konnten die Grünen - oder besser Cem Özdemir - sehr knapp gewinnen, obwohl es lange gar nicht danach aussah. Das freut mich.
Was mich weniger freut sind einige andere Ergebnisse, z.B. haben die bislang Nicht-Wählenden an erster Stelle die AfD gewählt (190.000 Wählende), an zweiter Stelle die CDU (130.000), erst an dritter Stelle die Grünen (70.000). Trotzdem finde ich es wichtig, dass Nichtwählende und auch Nicht-Wahlberechtigte in den Statistiken auftauchen. Daher diese Grafik (die Zahlen stammen von https://wahlen.statistik-bw.de/ltw26/); sie ist wie immer nicht ganz genau, da die Bevölkerungszahlen nur geschätzt werden. Leider habe ich auch keine Ergebnisse für die Erstwählenden (immerhin 6 Jahrgänge, da das Wahlalter erstmals auf 16 sank) gefunden. Die CDU konnte bei den über 70-jährigen punkten. Die Grünen in den Universitätsstädten und auch bei der Zweitstimme. Mit der Erststimme - der Partei - lag die CDU mit 34.3% vor den Grünen mit 25.5% (hier die gängige Darstellungsweise, nur die Wählerstimmen), das wird ihnen nun Überhangmandate bescheren, so dass beide Parteien gleichviel Sitze im Parlament haben werden. Bei der Zweitstimme machen nur 27.312 Wählerstimmen für die Grünen den Vorsprung aus, das sind 0,24% der Bevölkerung Baden-Württembergs. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6% der Wahlberechtigten. Schön, dass ein Migrantenkind Ministerpräsident ist. Gräuslich, welch starke Kraft die AfD in der Opposition ist. Ich glaube, ich bin dafür, bei Landtagsswahlen die 5%-Hürde zu senken. Noch mehr Grafiken solcher Art finden sich in der Kategorie Politik oder auch hier. In der Schweiz kamen gerade zwei Volksinitiativen zur Abstimmung - und da denkt man in Deutschland vielleicht immer wieder: hach, das ist eine gute Ergänzung zur repräsentativen Demokratie. Bis man sich die Ergebnisse anschaut. Die Initiative "Für eine engagierte Schweiz" Initiative sieht vor, dass alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt erbringen müssen. Ziel ist, das Gemeinwohl zu stärken. Dieser Dienst soll entweder im Militär, im Zivilschutz oder in Form eines gleichwertigen Milizdienstes erbracht werden, wobei der Sollbestand von Armee und Zivilschutz garantiert sein muss. Die Initiative zielt darauf ab, die Sicherheit breiter zu denken und die Dienstpflicht stärker auf Bereiche wie Klimaschutz, Ernährungssicherheit und Betreuung auszurichten. Die Initiative "Für eine soziale Klimapolitik - steuerlich gerecht finanziert (Initiative für eine Zukunft)" möchte mehr Mittel für die Klimapolitik (Die Schweiz muss ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto null senken. Das hat die Stimmbevölkerung so beschlossen). Für Massnahmen, die zur Erreichung dieses Ziels beitragen, stehen dem Bund heute jedes Jahr rund 2 Milliarden Franken zur Verfügung. Diese Mittel stammen in erster Linie aus verbrauchsabhängigen Abgaben auf Brenn- und Treibstoffen sowie auf Strom. Zusätzliches Geld soll von einer Erbschafts- und Schenkungssteuer des Bundes kommen (Bisher kennen nur Kantone und Gemeinden eine solche Steuer). Neu soll der Bund zusätzlich eine Steuer von 50 Prozent auf den Nachlass und die Schenkungen einer Person erheben, wobei die ersten 50 Millionen Franken nicht besteuert werden. Leider weiß ich nicht, was in den Köpfen der Nichtwählenden vor sich geht - die Wahlbeteiligungen sind wie üblich, also unter 50% der Wahlberechtigten. Zudem bleibt mir auch völlig unklar, was in den Köpfen derer vor sich geht, die mit Nein stimmen. Beide Initiativen sind ja ganz offensichtlich zum Gemeinwohl und für eine gute und sichere Zukunft. Jede Ethik-Kommission müsste sie doch unterstützen, oder nicht? Ja, sie umzusetzen braucht vielleicht ein bißchen zusätzliches Personal, vielleicht müsste man auch etwas Geld dafür zusätzlich ausgeben. Aber warum auch nicht, für eine bessere und gerechtere Welt?
Ethisches Einkaufen ist nicht neu, das tun sicher schon viele schon lange, aber seit Januar diesen Jahres hat das ganze noch mal eine neue politische Dimension. Kanadier:innen und Menschen aus Dänemark sind hier verständlicherweise vorneweg aktiv gewesen, ich habe mich aber gerne angeschlossen. Passend zum amerikanischen Unabhängigkeitstag im Juli gibt es hier Buykottierungs-Listen, gerne als Vorschläge zur Nachahmung empfohlen. Auf den Listen finden sich Produkte, die zu schmähen sind, sowie Alternativen, falls diese nicht sowieso offensichtlich sind. Ich habe mich dabei auf Produkte aus Drogerie und Supermarkt sowie auf die Nutzung technologischer Dienstleistungen beschränkt - also was man routinemäßig kauft oder nutzt. Mit einer gewissen Neigung zu einem analytisch-sozialwissenschaftlichen Vorgehen habe ich in letzter Zeit Folgendes getan: Listen der Produkte in meinem Haushalt erstellt, recherchiert woher die Sachen stammen oder wem die Unternehmen gehören, großzügig über unübersichtliche und komplexe Sachverhalte hinweggesehen (z.B. die Aktionärskonstellationen hinter internationalen Großkonzernen), mich nach Alternativen umgeschaut (z.B. bei European Alternatives), in mich gegangen um mir vorzustellen, wie ein Produktwechsel aussähe und dann die Ergebnisse geordnet und gruppiert. Entstanden ist eine Liste mit diesen drei Kategorien: Machbar, Schwierig und Unmöglich. Und mit einer Neigung zum die Daten so darstellen, damit das Ergebnis besser aussieht, habe ich dann noch eine weitere Kategorie hinzugefügt: Hab ich nicht und brauch ich nicht. Und weil ich auch auf Produkte gestoßen bin, die ich zwar aktuell nicht nutze, die aber andere vermutlich nutzen und nicht wissen, ob es aus den USA stammt oder ob es da eine gute Alternative gäbe, habe ich diese Produkte auch noch in die Listen aufgenommen. Ich freu mich, wenn ich die eine oder den anderen inspirieren kann und ich bin offen für weitere Vorschläge. Und jetzt noch ein paar sozialwissenschaftliche Ergebnisse über unseren Haushalt:
Im Bereich der Drogerieartikel habe ich 34 Markenartikel in unserem Haushalt vorgefunden, von denen 11 aus den USA oder von dortigen Unternehmen stammen (32% !!). Bei den Lebensmitteln habe ich - wie so auch von mir erwartet - keine amerikanischen Produkte in unserem Haushalt gefunden. Wenn ich ehrlich bin, war das jedoch Zufall, es hätten durchaus auch welche da sein können, wie z.B. Milka oder Marabou Schokolade. Wir kaufen aber doch sehr wenige Lebensmittel von amerikanischen Firmen wie Mars oder Mondelez. Und im dritten Bereich, Computer, Apps und so weiter, sieht es erwartungsgemäß gar nicht gut aus. Aber ausgezählt habe ich da nicht, erschien mir wenig sinnvoll. Wer sich beim buycottieren nicht so alleine fühlen möchte, kann sich am 1. Februar dem #global switch day anschließen, dieser bezieht sich auf die technologische Produktsparte. Oder für eine generelle Konsumkritik gibt es am 29. November den "buy nothing/kauf nix"-Tag. Dieser verweist ja darauf, dass die ethische Problematik nicht an einem einzelnen Land festzumachen ist. In puncto Nachhaltigkeit, Menschenrechte etc. schneiden die europäischen Großkonzerne Ferrero, Nestlé und Unilever genauso miserabel ab wie Mars und Mondelez. Aber das ist dann ein Thema für ein andermal. Leider liegt unsere Produktquote bei diesen Unternehmen bei ca. 15%, trotz regelmäßigem Einkaufen im Bio- und Unverpackt-Laden. Die (französische) App "Boykott X" kann beim buykottieren ebenfalls helfen, ein Barcodescan verrät das Land des Herstellers (sowie weitere Infos, z.B. Zusatzstoffe), welche Länder man boykottieren möchte, stellt man selbst ein. Dazu passend ist frisch erschienen:
Ein Update für unsere Demokratie Oekom Verlag, 410 Seiten Mit Entwürfen für ein demokratischeres politisches System, Entwürfen für bessere Institutionen und Verfahren und Entwürfen für eine bessere politische Struktur. Schließlich auch noch Entwürfe für bessere Mitbestimmung und Beteiligung und Entwürfe von BürgerInnen, die in einem Workshop entwickelt wurden. Insgesamt 26 Entwürfe für politische Innovationen - und die Hoffnung darüber ins Gespräch zu kommen, damit die demokratische Kultur lebendig und kraftvoll bleibt und man den aktuellen antidemokratischen Tendenzen etwas entgegensetzen kann. Das war knapp - fast wäre noch ein Populist an die Regierung gekommen.
Warum aber immer so ein großer Teil der Bevölkerung in der Ergebnisdarstellung der Wahlen vernachlässigt wird ist und bleibt mir ein Rätsel. Deswegen steuere ich mal wieder eine inklusive Grafik bei - die gesamte kanadische Bevölkerung wird im Säulendiagramm abgebildet. Eine bevölkerungsadäquate Darstellung der Wahlergebnisse: Die all-inclusive Grafik.
Eine bevölkerungsadäquate Darstellung der Wahlergebnisse von Juni 2024.
Wahlergebnisse werden üblicherweise nur als Prozente der Wählerstimmen angegeben. Ein deutlich anderes Bild entsteht, wenn auch Nichtwähler*innen und Nicht-Wahlberechtigte mit einbezogen weden. Ich finde eine Darstellung auf die gesamte Bevölkerung bezogen besser - und habe deshalb eine solche Grafik erstellt. |
Kategorien
Alle
Archiv
August 2026
|
RSS-Feed