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Hier kommt das zweite Bild vom Fennsee, Wetter diesmal bedeckt und minimaler Nieselregen. Eisschicht und Absperrband immer noch vorhanden. Da ich das erste 12tel Bild im Januar spontan bei einer meiner Winter-Ausfahrten - quasi als Beweisfoto - geschossen hatte, war ich gespannt, ob ich den Standort für den selben Ausschnitt wiederfinde. Stellt sich heraus, wenn ich genau hinter der zweiten Bank parke, ist das der gesuchte Ausschnitt. Prima, das kann ich mir merken. Ich dachte immer, der See ist Teil einer natürlichen Seenkette - die bekannteren sind Krumme Lanke und Schlachtensee - die in der letzten Eiszeit entstanden sind. So steht es auch bei Wikipedia. Das Bezirksamt sagt aber, es sei ein natürlich wirkendes, aber 1903 künstlich angelegtes Regenrückhaltebecken. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb er nicht auf einer alten Karte zu sehen ist, die den Wilmersdorfer See (inzwischen zugeschüttet und ein Park) noch zeigt. Leider hat der Fennsee mit einer problemtatischer Wasserqualität zu kämpfen. Schon 2003 wurde versucht durch neue Filteranlagen (zuviel belastetes und nährstoffreiches Regenwasser von den Straßen fließt zu) den Zustand zu verbessern, und daran kann ich mich auch noch erinnern. Die Maßnahme hat jedoch nicht gereicht, seit 2022 gibt es neue Bemühungen. Daher auch das Absperrband, vermute ich mal, nicht wegen der Eisschicht. Hier Informationen über die aktuellen Versuche, die Gewässerqualität zu verbessern. Und während das Bezirksamt optimistische Töne anschlägt, berichtete eine Berliner Boulevardzeitung, dass es letztes Jahr immer noch gar nicht gut um den See stand - voller Entengrütze und im Sommer stinkend. Na toll. Da habe ich mich auf eine kleine Natur-Oase in der Stadt gefreut, der ich jetzt im Frühling beim Ergrünen zuschauen kann und dann steht zu befürchten, dass auch das Wasser ergrünen wird ... Es wird also spannend übers Jahr, zumindest farblich und olfaktorisch. 12tel Blick ist eine Aktion bei Eva auf Verfuchst und Zugenäht. Alle meine 12tel Blicke gibt es hier.
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Jeden Monat ein Foto vom selben Motiv. Das ist die Idee und da mache ich (spontan) mit. Hier die anderen Blogger:innen mit ihren Blicken. Das Foto ist vom 18. Januar. Zu sehen ist der Fennsee in Berlin-Wilmersdorf. Nun habe ich also die Aufgabe, da mindestens einmal im Monat hinzufahren, mit meinem Elektro-Scooter, das erscheint mir machbar - Hin und Zurück mit allem Drum und Dran sollte in 20 Minuten möglich sein. Ich bin gespannt, welche Tageszeiten und Stimmungen ich erwischen werde. Und da ja längst schon Februar ist, werde ich da bald wieder hinfahren. Mal sehen, ob Mitte des Monats Eis und Schnee auf den Gehwegen schon weggetaut sind. Am Ende des Monats werden dann alle 12tel Blicke von Eva auf verfuchstundzugenäht gesammelt. Nachzügler - auch im Laufe des Jahres - sind aber auch willkommen. Beliebt ist auch eine Collage zu basteln, auf der dann alle Foto-Blicke nebeneinander zu sehen sind. Das werde ich bald noch nachliefern. Heute möchte ich etwas über einander bedingende Gegensätze schreiben – das passt halbwegs zum Monat Januar. Dieser ist benannt nach dem römischen Gott Janus, dem Hüter der Übergänge, der Schwellen und Türen, des Anfangs und des Endes. Anfang und Ende sind ein Beispiel für einander bedingende Gegensätze, auch bekannt unter dem Begriff Polarität.
Aufmerksam wurde ich auf dieses Thema durch den YouTube-Kanal von Emmy van Deurzen. Sie ist Philosophin und existenzielle Psychotherapeutin aus England. Sie spricht davon, „mit den dynamischen Kräften des Lebens zu arbeiten“. Ihren etwa 15-minütigen Input fand ich interessant, aber auch verwirrend. Als ich versuchte, mich im Internet darüber schlau zu machen, was Philosophen zum Thema Polarität geschrieben haben, musste ich feststellen, dass sehr viele Philosophen sehr Unterschiedliches dazu gesagt haben. Es scheint sich um ein wichtiges Thema zu handeln, mit dem sich bekannte Denker wie Heraklit, Aristoteles oder Hegel beschäftigt haben. Aber allein schon die irgendwie ähnlichen oder doch ganz verschieden gemeinten Begriffe wie Polarität, Dualität, Dichotomie, Gegensatz, Dialektik zu verstehen ist wohl eine Lebensaufgabe. Die folgende Begriffsbestimmung des Philosophen Romano Guardini fand ich immerhin einleuchtend. Nah genug an meiner bisherigen Auffassung und schön kurz: „Gegensatz bedeutet, dass zwei Momente, deren jedes unableitbar, unüberführbar und unvermischbar in sich steht, doch unablöslich miteinander verbunden sind; ja nur gedacht werden können an und durcheinander.“ Polaritäten sind demnach komplementär, nicht vollständig widersprüchlich, sondern besitzen ein eigentümliches „Verhältnis von relativer Ausschließung und zugleich relativer Einschließung“. Was mich jedoch immer wieder verwirrt: Warum existieren manche Polaritäten als Spektrum mit vielen Zwischenstufen, andere hingegen nicht? Kann ein echtes komplementäres Verhältnis mit vielen Zwischenstufen existieren? Gibt es echte und Pseudo-Polaritäten? Hier einige typische Beispiele von Polaritäten in der Natur:
Van Deurzen spricht – was mich allerdings noch mehr verwirrt – von Paradoxien. Gemeint ist damit nicht nur, dass die Existenz des einen Pols von der Existenz des anderen abhängt, sondern auch, dass es oft hilfreich ist, den einen Pol anzustreben, um den anderen zu erreichen – sich also kontraintuitiv und scheinbar paradox zu verhalten. Möchte ich, dass man mir zuhört, muss ich selbst nicht nur sprechen, sondern auch zuhören. Möchte ich glücklich sein, darf ich nicht nur Glück anstreben, sondern muss auch loslassen können. Möchte ich von anderen Menschen etwas bekommen, muss ich auch bereit sein, etwas zu geben. Es gibt auch Beispiele, die zeigen, dass es gar nicht möglich ist, nur den einen Pol zu leben: Möchte ich mein Wissen erweitern, werde ich unweigerlich wahrnehmen, was ich alles noch nicht weiß. Mein Nicht-Wissen wächst also ebenfalls. Mitgefühl kann ich nur dadurch entwickeln, dass ich selbst etwas durchlitten habe. Die übergeordnete Lebensweisheit lautet daher: Lebe nicht einseitig nur einen Pol. Mit Sowohl-als-auch gelingt ein Leben besser als mit Entweder-oder. Diese Lebensweisheiten stimmen meiner Erfahrung nach. Aber haben sie wirklich etwas mit komplementären Gegensätzen, wie es sie in der Natur gibt, zu tun? Nur weil zwei Dinge miteinander zusammenhängen, muss es ja nicht eine zugrundeliegende Polarität geben. Zuhören und Sprechen erscheinen mir weniger als zwei Gegensätze, die sich gegenseitig bedingen, um zu existieren, sondern Menschen empfinden es als ein gutes Gespräch, wenn beides vorkommt - und die Existenz hängt doch davon ab, ob sich Menschen für das Zuhören entscheiden. Eine menschliche Entscheidung kann doch nicht mit einem Naturphänomen wie dem Magnetisms mit seinen zwei Polen gleichgesetzt werden, oder? Es ist doch vermutlich eher so, dass in so einem unübersichtlichen Leben, in dem einem alles mögliche zustoßen kann und in dem man weitaus weniger Macht und Kontrolle hat, als man gerne hätte, dieses Unübersichtliche und Ungerechte nach nachvollziehbaren geordneten Gesetzen klingen soll. Die Polaritäten in der Natur wechseln sich ja brav und vorhersehbar ab. Die im (zwischen)menschlichen Leben leider nicht. Außerdem gilt doch auch: Wer zu viel Leid erfährt, entwickelt kein Mitleid, sondern wird zu einem, der selbst Leid verursacht. Es gibt doch häufig ein Prinzip der Goldenen Mitte. Und wie passt das mit den paradoxen polaren Prinzipien zusammen? Nach vielem Nachdenken bleibe ich verwirrt. Gegen Lebensweisheiten an sich habe ich nichts einzuwenden. Meine eigene Erkenntnis aus den letzten Jahren lautet: Weniger ist mehr. Damit meine ich vor allem: Weniger tun bedeutet mehr erleben. Schade nur, dass ich mich selbst gar nicht daran halte und trotzdem munter immer mehr möchte. Diese Einsicht ist (oder klingt?) natürlich auch paradox – besonders in einer kapitalistischen Welt, die von ständiger Steigerungsideologie geprägt ist. Auch hier gibt es ein polares Phänomen: Ruhe und Erregung. Oder ist am Ende Mehr und Weniger selbst auch eine Polarität? Da fällt mir ein: Gibt es Polaritäten bei Substantiven (Strukturen), Verben (Prozesse) und Adjektiven / Adverben (Eigenschaften)? Eines ist jedenfalls klar: die Polarität bei Fragen und Antworten ist nicht vollständig oder ausgeglichen - es gibt mehr Fragen als Antworten. Seit 1880 ist bekannt, dass älter werden und sterben in der Natur gar nicht zwingend notwendig sind - an mir war dieses Wissen bisher aber vorübergegangen. Dabei interessiere ich mich für Biologie. Ich hatte noch mitbekommen, dass ein Axolotl ewig jung bleibt und seine Gliedmaßen nachwachsen lassen kann, aber das hielt ich immer noch für eine Art Trick, die eigentlich normalen Alterungsprozesse zu umgehen. Aber siehe, es ist ganz anders. Und da das Thema Tod und Sterben irgendwie gut in den November passen, dachte ich, ich lasse mein neuerworbenes Wissen mal unter die Leute. Ich finde die Erkenntnis phänomenal. Auch wenn das Wissen jetzt keine direkten Auswirkungen nach sich zieht, gibt es doch einen gewissen neuen Kontext, in dem man mal über sein eigenes Leben oder das Leben als solches nachdenken kann. Ich beziehe meine Kenntnis von einem Tagesspiegel-Artikel von Sascha Karberg. Da der Artikel für die meisten Menschen hinter einer Paywall steckt, zitiere ich den ersten, relevanten, Teil des Artikels, die hinteren Teile fasse ich zusammen. Als das Leben auf den Tod kam: Die Erfindung der Sterblichkeit – und warum sie so wichtig ist. "Als „das einzig Sichere“ im Leben beschrieb der Philosoph Friedrich Nietzsche 1882 den Tod. Und wohl bis heute werden die meisten Menschen zustimmen, aufgrund ihrer Erfahrung mit der alltäglichen Vergänglichkeit von Menschen, Tieren und Pflanzen, dass Leben und Tod untrennbar miteinander verbunden sind. Und doch ist dem nicht so. Sicher: Den Tod kann es ohne Leben nicht geben. Sterben kann nur, was gelebt hat. Doch das Leben selbst kann auf den Tod sehr wohl verzichten. Tatsächlich gab es in den ersten ein bis zwei Milliarden Jahren seit der Entstehung des Lebens weder Altern noch „natürliches“ Sterben. Der Tod ist eine recht neue Erfindung der Evolution. Wie auch immer das Leben auf Erden begann, es kam lange vor dem Tod auf die Welt. Die ersten Zellen, die sich vielleicht vor 3,8, vielleicht schon vor 4,6 Milliarden Jahren in der Ursuppe zu teilen und vermehren begannen, waren „potenziell unsterblich“, wie Biologen sagen. Zwar gingen hier und da Zellen aufgrund von Hitze oder Kälte zugrunde oder die eine Bakterie fraß die andere. Doch ohne solche Zwischenfälle, unter konstant guten Umweltbedingungen, können Bakterien und Einzeller damals wie heute prinzipiell ewig leben, denn sie altern nicht. Eine „Kindheit“ oder „Jugend“, einen allmählichen Verlust ihrer Körper- bzw. Zellfunktionen kennen sie nicht. Zwar wachsen auch Bakterien und Einzeller, doch irgendwann teilen sie sich und gehen vollständig in den beiden Tochterzellen auf. Kein Leichnam bleibt zurück. Der Faden des Lebens reißt nie ab. Erst seit es mehrzellige Lebewesen gibt, seit frühestens zwei Milliarden, spätestens seit 600 Millionen Jahren, existiert auch der Tod als ein von der Natur grundsätzlich vorgesehenes Ende des Lebens. Mal wird der Schlussstrich schon nach wenigen Stunden gezogen, wie bei Eintagsfliegen, mal dauert es Jahrtausende, wie bei Riesenmammutbäumen oder Schwämmen. Über 10.000 Jahre alt soll ein Exemplar des Riesenschwamms Anoxycalyx joubini am antarktischen Ozeanboden sein, das damit als das älteste bekannte Tier der Welt gilt. Unter den Pflanzen hält Neptungras (Posidonia oceanica) den Rekord, mit gut 100.000 Jahren. Aber auch wenn manche Arten mal früher, mal später sterben, in der Regel ist der Tod unausweichlich. Die Frage ist, warum sich die Evolution irgendwann vom ewigen aufs sterbliche Leben verlegte, obwohl sie Milliarden Jahre lang darauf verzichten konnte? Von Anbeginn an waren Zellen, die kleinsten Einheiten des Lebens, widrigen Umweltbedingungen ausgesetzt. Sie mussten der UV-Strahlung, Umweltgiften, Kälte und Hitze trotzen. Nur wer ausgeklügelte Schutzvorkehrungen und Reparaturprozesse entwickelte, überlebte. Zum Werkzeugkasten jeder Zelle gehören deshalb Enzyme, die Fehler im Erbgut verbessern, kaputte Proteine zersetzen und recyceln und Membranen flicken können. Aber mit der Entstehung vielzelliger Organismen erwiesen sich diese Reparaturprozesse entweder als zu aufwendig oder als unnötig. Als aus den Einzellern nicht mehr zwei identische, sondern unterschiedlich befähigte Zellen entstanden, etwa spezialisiert auf Verdauung, auf Fortbewegung, auf Wahrnehmung, auf Reizweiterleitung oder Schutz, war es offenbar effektiver, nur jene Zellen fit und unsterblich zu halten, die zur Fortpflanzung bestimmt waren: Ei- und Samenzellen, die Keimzellen. Nur diese knüpfen das seit den ersten Urzellen bestehende Band des Lebens weiter, die „Keimbahn“, wie Biologen sagen. Die übrigen Zellen – das „Soma“, das den Körper des Menschen, eines Elefanten, eines Wurms oder eines Baumes bildet – sind hingegen entbehrlich und sterben. Der natürliche Tod ist keine primäre Notwendigkeit, sondern wurde im Laufe der Evolution erworben. Der Erste, der diese Trennung von Keimbahn und Soma und ihre Konsequenz für die Sterblichkeit formulierte, war August Weismann, Evolutionsbiologe und Zoologie-Professor an der Universität Freiburg. In einer Reihe von Essays zwischen 1881 und 1891, veröffentlicht in seinen „Aufsätzen über Vererbung und verwandte biologische Fragen“, postulierte er: „Der natürliche Tod ist keine primäre Notwendigkeit, sondern wurde im Laufe der darwinistischen Evolution sekundär erworben.“ Und: „Die Evolution führte zu einer endlichen replikativen Lebensdauer der somatischen Gewebezellen.“ Obwohl Weismann damals weder von Genen noch von DNA wusste, lag er richtig. Der Tod ist ein Produkt der Evolution....Offenbar war genau das, die Trennung von unsterblicher Keimbahn und sterblichem Soma, der entscheidende evolutive Vorteil, der Vielzellern ermöglichte, die Welt zu erobern. So konnten sie ihre sterblichen Hüllen so perfekt verändern, dass sie selbst widrigste Lebensräume an Land und sogar in der Luft erschließen konnten. Die Erfindung des Sterbens ist evolutiv so erfolgreich, dass kein Vielzeller bekannt ist, der unsterblich wäre. Höchstens der Süßwasserpolyp Hydra vulgaris [wird 5-15 mm groß].Tatsächlich ist dieses Nesseltier der einzige Vielzeller, der das Attribut „unsterblich“ verdient. Weder altert es noch stirbt es nach einer gewissen Lebenszeit. Abgeschnittene Tentakel wachsen nach. In Einzelteile zerstückelt finden die Zellen entweder wieder zueinander oder es erwachsen daraus neue Polypen." Der Artikel beschreibt weiter, wie Stammzellen und Krebszellen langlebiger sind und wie bestimmte Gene in diesen Zellen zu mehr Regenerationsfähigkeit und damit Langlebigkeit der Zellen führt. Das Nesseltier Hydra hat mehr Stammzellen als spezialisierte Körperzellen, von letzteren gibt es nur ein paar Sinnes-, Nerven- und Hautzellen, aber keine Organe. Behauptet wird, dass es zu energieaufwändig sei, dass ein menschliches Organ sich ständig mit Stammzellen erneuere. Ein wichtiges Gen heißt FoxO und ist im Menschen wie im Nesseltier vorhanden, nur bei uns leicht mutiert und daher weniger aktiv.
Dann wird argumentiert, dass das Altern und Sterben der Vielzeller evolutionär erfolgreicher ist - was auch mit wissenschaftlichen Modellen nachgerechnet wird und damit als "bewiesen" gilt. Nicht-sterbliche Vielzeller geraten in eine Ressourcen-Konkurrenz mit ihren Nachkommen. Schließlich meint der Autor, dass unsere Angst vor dem Tod sich ja nur evolutionär entwickeln konnte: "Unser Gehirn mag gegen die Unvermeidlichkeit des Sterbens aufbegehren, weil uns unser Bewusstsein anders als Tieren den nahenden Tod vor Augen führt. Aber diese Fähigkeit zum Denken, zu sozialem Zusammenleben, zu Kultur hat sich überhaupt nur infolge des Todes-Tricks der Evolution entwickeln können." Er kann sich mit der eigenen Sterblichkeit anscheinend anfreunden: im "Dienste der Arterhaltung" für die neue Generation Platz zu machen, "denn sie könnten jene Mutationen mit sich bringen, die eine (noch) bessere Anpassung an die Umwelt ermöglichen." Also, das führt zwar jetzt vom eigentlichen Thema (potenzielle Unsterblichkeit der Einzeller) weg, aber ich möchte noch kurz etwas zum letzten Absatz kommentieren. Ich kann dem Autor da nicht folgen. Ich gehe davon aus, dass Natur und Evolution im Menschen zwar Wert- und Moralvorstellungen haben entstehen lassen, selbst jedoch keinerlei Werte vertreten, die uns Menschen etwas bedeuten. Fairness, Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit finden sich da beispielsweise nicht. Warum sich das Leben (oder die Biosphäre) zu immer mehr Mannigfaltigkeit entwickelt, erscheint mehr so ein Selbstzweck zu sein und ist doch ziemlich wertneutral (wenn es auch in Staunen versetzt). Warum sich als Mensch in den Dienst der Evolution und die bessere Anpassung an sich verändernde Lebensbedingungen stellen? Das wäre doch ein Akt großer Demut. Aktuell kann ich von einer solchen Haltung in der westlichen Zivilisation auch ausgesprochen wenig erkennen. Noch nicht mal eine abgespeckte Form der Demut, nämlich eine solche, die auch eigennützig wäre, wie z.B. "im Dienste der eigenen Lebensgrundlagenerhaltung" Verzicht zu üben, der Natur mehr Spielräume zu überlassen und nicht gnadenlos auszubeuten, ist in nenneswertem Ausmaß zu erkennen. Übrigens sind unsere Vorstellungen von der Evolution stark durch unsere kulturelle Brille (Marktwirtschaft) geprägt und das Buch "Survival of the Nettest" von Dirk Brockmann korrigiert die viel zu starke Betonung von Konkurrenz durch zahlreiche Gegenbeispiele über Kooperation in der Natur. Aber das eigentliche Thema war ja ein anderes. Falls sich also jemand fragt, oder von Kindern schonmal gefragt wurde, "Warum müssen wir sterben?" dem gibt die Biologie eine klare Antwort: weil wir Mehrzeller sind. Aber man kann natürlich auch antworten: weil das mit der Genschere noch nicht so gut klappt. Die Forschung wird aber früher oder später dahinterkommen. Und wenn wir dann die ewige Zellverjüngung beherrschen, dürfte das Thema Übergewicht praktischerweise der Vergangenheit angehören – schließlich braucht die Zellreparatur mehr Energie. Nur die Sache mit der Überbevölkerung, das wird noch knifflig. Als Pächterin eines Kleingartens (Schrebergarten) möchte ich passend zum Erntedank-Tag im Oktober vom diesjährigen APFELJAHR kurz berichten.
Das APFELJAHR, es klingt so viel harmloser als die Zucchinischwemme. Aber. Bei 5 Apfelbäumen in einem Kleingarten … Das war übrigens nicht meine Entscheidung, sondern die eines Vorpächters. Als Kleingärtner ist man ja gesetzlich zur Obst- und Gemüseproduktion für den eigenen Haushalt verpflichtet. Auf mindestens einem Drittel der Fläche. Im Gegenzug gibt’s eine billige Pacht und einen Kündigungsschutz. In meiner Kleingartenanlage, die direkt nach dem zweiten Weltkrieg auf alten Tennisplätzen/Trümmerfeld angelegt wurde, reihen sich jedoch verdächtig viele Apfelbäume hintereinander, in insgesamt drei Reihen. Diese Apfelplantage erstreckt sich über vier Gärten, aber die Gärten wurden später verkleinert, früher war das wohl ein zusammenhängender Garten, in dem nicht nur für den eigenen Haushalt gegärtnert wurde. Nur bei mir stehen noch so viele Bäume - für Apfelbäume sind das alle schon Methusalems - und nur bei mir steht der von Gartennachbarn bewunderte große Boskop-Baum. Und vor allem aufgrund dieses Baumes ist das APFELJAHR wirklich bemerkenswert. Mit 4 verschiedenen Sorten haben wir von Juli bis November Erntesegen. Geschätzt sind das alle paar Tage 1-2 Eimer voller Äpfel. Oder auch mal weniger, oder mehr. Insgesamt aber doch reichlich. Dieses Jahr kann ich tatkräftig bei der Verarbeitung der Ernte helfen, das freut mich (mit in den Garten konnte ich noch nicht). Wir setzen in einem APFELJAHR auf folgende Strategien: Äpfel so essen. Äpfel schneiden, schälen, entkernen und zu Apfelmus kochen. Äpfel zu Apple Crumble, Apfelkuchen, Apfeltartes backen. Kleinschneiden und im Entsafter in Apfelsaft verwandeln. Aus Apfelsaft Apfel-Mango-Gelee kochen. Apfelsaft zu Apfelpunsch verfeinern. Entkernen, schälen, in Scheiben schneiden, aufhängen und zu Apfelringen trocken lassen. Äpfel für den Winter aufbewahren. Und dann ergänzen wir noch durch diese Strategien: Äpfel abgeben an Menschen, die bewundernd übern Gartenzaun oder in den Eimer gucken. Äpfel verschenken an Menschen, die Interesse an Gartenäpfeln erkennen lassen. Äpfel Menschen aufdrängen, die nicht schnell und entschieden genug ablehnen, obwohl sie noch nicht recht wissen, ob sie gerade diese Äpfel wirklich haben wollen. Bei der Recherche nach weiteren Verwertungsmöglichkeiten fand ich noch Apfelchips (hat nicht funktioniert, werden im Backofen nicht cross, sondern werden nur Apfelringe in klein) und Apfelessig. Aber Essig stellt man gerne aus Apfelresten her – also dem Butzen und den Schalen – haha, das lasse ich natürlich dieses Jahr sein. Auch noch die Reste verwerten?! Das ist was fürs nächste Jahr, wenn unsere Apfelbäume sich ausruhen. Ich meine mich zu erinnern, der Boskop trug letztes Jahr 3 Äpfel. Und eine Resteverwertung haben wir ja auch schon – delegiert an die Regenwürmer im Komposthaufen. Nun zum Serviceteil dieses Blogs: Hier habe ich 3 Backrezepte aufgeschrieben, die sehr schnell, ziemlich schnell und eher schnell zu leckeren Ergebnissen führen und, nach meiner Meinung, in der deutschen Apfelkuchenrezeptelandschaft nicht zu den hinlänglich bekannten gehören, nämlich der englische Apple Crumble, einmal Rührkuchen und einmal eine Tarte. Zudem empfehle ich allen, die keinen eigenen Garten mit Apfelbaum besitzen, aber nun eine gewisse Neigung zu frischen Gartenäpfeln verspüren, in der nächsten Kleingartenanlage/Schrebergartenanlage vorbei zu schauen. Die meisten davon werden von der Kommune verpachtet und stehen somit auf öffentlichem Land. Das heißt, es ist auch gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Wege stets als Spazierwege für die Öffentlichkeit nutzbar sind und die Hecke nur 1,25 m hoch ist – damit die Spaziergänger:innen in die Gärten gucken können. Und vor vielen Gärten stehen Körbe mit überzähligem Obst und Gemüse (oder sollte ich sagen mit Äpfeln und Zucchini? Aber nein, ich habe auch schon Mirabellen gesehen). Apfeltriebe - roh erfrischend bitter, etwas gewöhnungsbedürftig, aber man isst ja nur ein ganz kleines Häppchen. Ich habe sie abgekocht und in Olivenöl eingelegt; jetzt schmecke ich nur noch das Olivenöl....
Gierschspinat - nach meinem Geschmack besser als Spinatspinat, irgendwie mit mehr Geschmack. Allerdings seeeehr harntreibend. Günsel - ich mag bittere Lebensmittel, aber Günsel ist eine Nummer zu krass. Aber hübsch in der Vase mit seinen blau-lila Blüten. Hopfensprossen - einen Tick zu spät geerntet, keine Sprossen mehr sondern 20-30 cm lange Hopfentriebe mit kleinen Blättern. Bereits unfassbar bitter und ungenießbar, auch wenn man die Blätter in Wasser einlegt oder kocht. Löwenzahn - mal eine schöne Abwechslung zum Rucola, lecker auf Brot am Abend oder im Salat. Malvenblütentee - zählt nicht wirklich, weil es ja ums Essen und nicht ums Trinken ging. Farbe aus meiner Sicht nicht appetitlich - dunkeltürkisblau (ja, ich weiß, mit einem Tropfen Zitrone hätte ich die Farbe ändern können). Und Geschmack? Einfach nicht vorhanden. Also eine klare Empfehlung für alle die Tees nicht mögen, aber doch etwas Gesundes trinken wollen - gesundes blaues Wasser. Malven-Samen - verblüffend geschmacklos. Ich habe direkt von der Pflanze genascht. Vielleicht geröstet? Portulak - die Entdeckung. Hält sich lange frisch, apart im Geschmack als Salatzutat oder abends auf das Brot. Schön knackig. Ich verlinke nochmal die Gesamtübersicht: Ich mag Bäume (wer nicht?)
Ich brauche Bäume (wer nicht?) Und jetzt neu: Ich rette Bäume. Also genaugenommen: ich habe den Straßenbaum vor meinem Fenster adoptiert. Der Trick hat funktioniert! Hier geht´s zur Anleitung.
Hier kommt der zweite Teil der Serie "Welche Pflanzen in meinem Garten sind eigentlich essbar?" Und damit meine ich natürlich nicht die Obstbäume, Beerensträucher und Pflanzen, die wir extra im Beet anbauen. Sondern die anderen, die da gewollt oder weniger gewollt wachsen.
Ich hätte gedacht, dass ich auch schon mehr über meine Geschmackserlebnisse berichten könnte, aber das ist bislang kaum der Fall. Ich werde aber entsprechend updaten. ...ist doch viel schöner, wenn es da grünt und blüht, oder? Ich empfehle euch deshalb den Online Bio-Balkon Kongress - der ist kostenlos - diesmal mit dem Motto Jeder Meter zählt! Vom Donnerstag, den 20. März bis zum Montag, den 31. März gibt es Vorträge von 30 Expert:innen. Alles sehr praxisnah.
Birgit, die das ganze auf die Beine stellt, ist eine Bekannte von mir, die ein paar hundert Meter Luftlinie von mir einen sagenhaften Balkon hat - mit Eichhörnchen und inzwischen 24 gesichteten Vogelarten. Im Berliner Stadtzentrum! Neid. |
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März 2026
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