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Ich betreibe diese Form des Fitnesstrainings schon seit einigen Jahren und gebe erstmal ein paar Erläuterungen, wie das ganze angefangen hat. Ausgangspunkt war meine schwere chronische Erkrankung, wegen der ich damals den ganzen Tag im Bett liegen musste. Nur um auf die Toilette zu gehen, bin ich aufgestanden. Das waren 25 Schritte hin und 25 Schritte zurück vom Bett ins Bad und vor einigen Jahren das Maximum meiner Möglichkeiten; nach diesen 50 Schritten legte ich mich wieder hin, hatte Herzrasen, fing an zu schwitzen und musste mit offenem Mund atmen - also ungefähr so anstrengend wie wenn ein gesunder Mensch einige Treppenabsätze hoch sprintet. (Die Krankheit heißt ME/CFS und die Erschöpfung nach "Anstrengung" PEM). Aber dank der Selbstheilungskräfte ging es mir nach und nach besser und schließlich konnte ich ins Badezimmer gehen, zusätzlich Zähne putzen und wenn ich mich wieder ins Bett legte war ich kaum noch erschöpft. Und das war dann wohl der Zeitpunkt, an dem ich anfing, mich beim Zähneputzen am Waschbecken festzuhalten und einige Übungen zu machen wie z.B. auf einem Bein stehen oder auf die Zehenspitzen wippen. Durch die mehrjährige Bettlägerigkeit war meine Muskulatur ja stark geschrumpft. Und als ich auch diese Übungen machen konnte, ohne danach eine Viertelstunde lang hechelnd und schwitzend im Bett zu liegen, war es dann soweit und ich kam auf die ultimative Idee: auch noch auf dem Weg zurück vom Bad ins Schlafzimmer eine kleine Fitnesseinheit einzulegen. Also schwang ich auf dem Rückweg munter mit den Armen oder drückte mich bei jedem Schritt kräftig vom Boden ab, hob die Knie ge, was mir da so einfiel. Und siehe da, es machte mir mordsmäßig Spaß. Ich hatte unweigerlich ein Lächeln im Gesicht. Da war neben der reinen Bewegungsfreude natürlich auch die Freude über meine Fortschritte bei der Genesung, aber auch eine gewisse Lächerlichkeit bei der Fortbewegung, die ich nicht abstreiten kann. Und dann fiel mir auch das hier wieder ein: Das spornte mich durchaus an, auch wenn John Cleese´s Fähigkeiten völlig außerhalb meiner sportlichen Möglichkeiten lagen.
Und nun, nach jahrelanger Erfahrung mit dieser hervorragenden Methode, welche Fitness steigert und Stimmung hebt, möchte ich sie euch wirklich empfehlen. Anfänger:innen starten am besten in der eigenen Wohnung, immer dann wenn sie sich vom Bett oder Stuhl erheben und ein anderes Zimmer ansteuern. Gegenstände in der Hand werden unproblematisch in die Übung eingebaut, sei es schwingend oder über dem Kopf tragend. Man kann sie natürlich auch betont würdevoll, ähnlich wie Schirme und Aktentaschen transportieren, während die Füße und Beine sich abmühen. Woher die Bewegungsimpulse nehmen? Ich glaube, das ist gar nicht so schwer, wenn man einfach loslegt und es dem Körpergedächtnis überlässt. Irgendwelche Fitnessübungen fallen dem Kleinhirn da schon ein. Da diese häufig im Stehen und eben gerade nicht in einer horizontalen, sich fortbewegenden Weise eingeübt wurden, ergibt sich automatisch ein gewisser Spielraum für Kreativität. Man denke z.B. an einen sich fortbewegenden Hampelmann. Vorwärts oder lieber seitwärts? Aber es muss überhaupt gar keine Fitnessübung sein. Man kann natürlich auch einem aktuellen Ohrwurm folgen und sich in Tanzschritten fortbewegen. Fortgeschrittene können dann die Gegebenheiten der Wohnung in die Bewegungsabläufe einbauen: z.B. unsichtbare Hindernisse an jeder Türschwelle überwinden (das mache ich wirklich gerne). Günstig ist dabei, dass alle Schwierigkeitsgrade individuell festgelegt werden können, also je nach Fitnessgrad die Knie möglichst hoch anheben oder den Türbalken ergreifen und mit Klimmzug durchschwingen (also ich bin da noch bei ersterem). Oder die Spülmaschinen-Befüllung und -Leerung mit Ausfallschritten. Wem solche Übungen keinen Spaß machen, empfehle ich einen Marionetten-Gang, also möglichst wie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer fortbewegen. Oder die Nachahmung von Tieren - da gibt es ja viele Möglichkeiten von Amöbe bis Zitteraal. Und schließlich die Profi-Variante: das ganze auf dem Weg zum Supermarkt. Oder zum Kopierer im Büro. Wobei ich gestehen muss, dass ich selbst nicht anpeile, Profi in diesem Sport zu werden. Aber es gibt doch immer ein paar Ehrgeizige. Nur zu. So wird sich dies auch zum neuen Trendsport entwickeln können, wenn es in der Öffentlichkeit praktiziert wird. Ich denke, es hat mindestens so großes Trendpotenzial wie Steckenpferd-Reiten. Damit ist #FitnessToGo natürlich überhaupt nicht zu verwechseln, Steckenpferd-Reiten basiert wie Dressur- und Springreiten auf bestimmten Bewegungsabläufen, die zu perfektionieren sind, es geht um Leistung nicht um kreative Lächerlichkeit. Dass Fitness to go-Betreiber:innen manchmal auch auf unsichtbaren Pferden durch die Wohnung (oder zur Bushaltestelle) reiten, ist nur eine zufällige Überlappung. Es gibt natürlich bereits zahlreiche Ideen und Konzepte, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen (die oft nicht funktionieren). Ich erinnere mich z.B. an Vorschläge von Hebammen, beim Autofahren an jeder roten Ampel den Beckenboden aktiv anzuspannen (als ob rote Ampeln an sich nicht schon schlimm genug wären). Oder Vorschläge, die Mittagspause mit Bürostuhlgymnastik zu verbringen, in Warteschlangen mit den Füßen zu wippen, vor dem Fernseher zu hula-huppen usw. Diese Ansätze haben aber alle mit #FitnessToGo gar nichts zu tun. Sie unterscheiden sich nämlich in einem wesentlichen Punkt: es sind alles Pausenfüller und brauchen daher eine immens große Motivation, die Pause nicht irgendwie gemütlich relaxend oder vor sich hin dämmernd und somit regenerierend zu verbringen, sondern stattdessen aktiv etwas zu tun. Was ich praktiziere und weiterempfehle ist eine Bewegung, die sowieso stattfindet, nur leicht zu verstärken und auszubauen. Aber das macht motivationstechnisch einen riesigen Unterschied! Genau genommen ist die Fitness ja nur ein Nebenprodukt. Im Vordergrund steht, mehr Freude im Alltag zu erleben. Und das funktioniert mit gewollt oder ungewollt lächerlichen Bewegungen ausgesprochen gut. Probiert es doch einfach mal aus.
2 Kommentare
Es waren einmal zwei Bettlaken, löchrig und durchscheinend, aber sie leuchteten noch in kräftigem Rot und Orange. Etwas besseres als den Tod finden wir überall für euch, sprach die Herrin über die Laken. Sie wandte sich an die liebliche älteste Tochter des Hauses, die im Teppichweben- und -fingerhäkeln bewandert war. Und so kam es zu diesem Upcycling-Projekt, in dem die Tochter ihre Mutter lehrte, mit einem selbstgebastelten Webrahmen kleine Teppiche zu weben. Und wenn die Stoffe nicht ausgegangen wären und die Tochter nicht ihren Wissensdurst in einer anderen Stadt stillen müsste, so säßen sie beide heute noch webend im Wohnzimmer, es hat beiden nämlich viel Spaß gemacht.
Und hier eine bebilderte Anleitung für 3 Varianten: zweifarbig-kariert, wild-bunt und einfarbig (mit geringerem Stoffvorrat). Heute möchte ich etwas über einander bedingende Gegensätze schreiben – das passt halbwegs zum Monat Januar. Dieser ist benannt nach dem römischen Gott Janus, dem Hüter der Übergänge, der Schwellen und Türen, des Anfangs und des Endes. Anfang und Ende sind ein Beispiel für einander bedingende Gegensätze, auch bekannt unter dem Begriff Polarität.
Aufmerksam wurde ich auf dieses Thema durch den YouTube-Kanal von Emmy van Deurzen. Sie ist Philosophin und existenzielle Psychotherapeutin aus England. Sie spricht davon, „mit den dynamischen Kräften des Lebens zu arbeiten“. Ihren etwa 15-minütigen Input fand ich interessant, aber auch verwirrend. Als ich versuchte, mich im Internet darüber schlau zu machen, was Philosophen zum Thema Polarität geschrieben haben, musste ich feststellen, dass sehr viele Philosophen sehr Unterschiedliches dazu gesagt haben. Es scheint sich um ein wichtiges Thema zu handeln, mit dem sich bekannte Denker wie Heraklit, Aristoteles oder Hegel beschäftigt haben. Aber allein schon die irgendwie ähnlichen oder doch ganz verschieden gemeinten Begriffe wie Polarität, Dualität, Dichotomie, Gegensatz, Dialektik zu verstehen ist wohl eine Lebensaufgabe. Die folgende Begriffsbestimmung des Philosophen Romano Guardini fand ich immerhin einleuchtend. Nah genug an meiner bisherigen Auffassung und schön kurz: „Gegensatz bedeutet, dass zwei Momente, deren jedes unableitbar, unüberführbar und unvermischbar in sich steht, doch unablöslich miteinander verbunden sind; ja nur gedacht werden können an und durcheinander.“ Polaritäten sind demnach komplementär, nicht vollständig widersprüchlich, sondern besitzen ein eigentümliches „Verhältnis von relativer Ausschließung und zugleich relativer Einschließung“. Was mich jedoch immer wieder verwirrt: Warum existieren manche Polaritäten als Spektrum mit vielen Zwischenstufen, andere hingegen nicht? Kann ein echtes komplementäres Verhältnis mit vielen Zwischenstufen existieren? Gibt es echte und Pseudo-Polaritäten? Hier einige typische Beispiele von Polaritäten in der Natur:
Van Deurzen spricht – was mich allerdings noch mehr verwirrt – von Paradoxien. Gemeint ist damit nicht nur, dass die Existenz des einen Pols von der Existenz des anderen abhängt, sondern auch, dass es oft hilfreich ist, den einen Pol anzustreben, um den anderen zu erreichen – sich also kontraintuitiv und scheinbar paradox zu verhalten. Möchte ich, dass man mir zuhört, muss ich selbst nicht nur sprechen, sondern auch zuhören. Möchte ich glücklich sein, darf ich nicht nur Glück anstreben, sondern muss auch loslassen können. Möchte ich von anderen Menschen etwas bekommen, muss ich auch bereit sein, etwas zu geben. Es gibt auch Beispiele, die zeigen, dass es gar nicht möglich ist, nur den einen Pol zu leben: Möchte ich mein Wissen erweitern, werde ich unweigerlich wahrnehmen, was ich alles noch nicht weiß. Mein Nicht-Wissen wächst also ebenfalls. Mitgefühl kann ich nur dadurch entwickeln, dass ich selbst etwas durchlitten habe. Die übergeordnete Lebensweisheit lautet daher: Lebe nicht einseitig nur einen Pol. Mit Sowohl-als-auch gelingt ein Leben besser als mit Entweder-oder. Diese Lebensweisheiten stimmen meiner Erfahrung nach. Aber haben sie wirklich etwas mit komplementären Gegensätzen, wie es sie in der Natur gibt, zu tun? Nur weil zwei Dinge miteinander zusammenhängen, muss es ja nicht eine zugrundeliegende Polarität geben. Zuhören und Sprechen erscheinen mir weniger als zwei Gegensätze, die sich gegenseitig bedingen, um zu existieren, sondern Menschen empfinden es als ein gutes Gespräch, wenn beides vorkommt - und die Existenz hängt doch davon ab, ob sich Menschen für das Zuhören entscheiden. Eine menschliche Entscheidung kann doch nicht mit einem Naturphänomen wie dem Magnetisms mit seinen zwei Polen gleichgesetzt werden, oder? Es ist doch vermutlich eher so, dass in so einem unübersichtlichen Leben, in dem einem alles mögliche zustoßen kann und in dem man weitaus weniger Macht und Kontrolle hat, als man gerne hätte, dieses Unübersichtliche und Ungerechte nach nachvollziehbaren geordneten Gesetzen klingen soll. Die Polaritäten in der Natur wechseln sich ja brav und vorhersehbar ab. Die im (zwischen)menschlichen Leben leider nicht. Außerdem gilt doch auch: Wer zu viel Leid erfährt, entwickelt kein Mitleid, sondern wird zu einem, der selbst Leid verursacht. Es gibt doch häufig ein Prinzip der Goldenen Mitte. Und wie passt das mit den paradoxen polaren Prinzipien zusammen? Nach vielem Nachdenken bleibe ich verwirrt. Gegen Lebensweisheiten an sich habe ich nichts einzuwenden. Meine eigene Erkenntnis aus den letzten Jahren lautet: Weniger ist mehr. Damit meine ich vor allem: Weniger tun bedeutet mehr erleben. Schade nur, dass ich mich selbst gar nicht daran halte und trotzdem munter immer mehr möchte. Diese Einsicht ist (oder klingt?) natürlich auch paradox – besonders in einer kapitalistischen Welt, die von ständiger Steigerungsideologie geprägt ist. Auch hier gibt es ein polares Phänomen: Ruhe und Erregung. Oder ist am Ende Mehr und Weniger selbst auch eine Polarität? Da fällt mir ein: Gibt es Polaritäten bei Substantiven (Strukturen), Verben (Prozesse) und Adjektiven / Adverben (Eigenschaften)? Eines ist jedenfalls klar: die Polarität bei Fragen und Antworten ist nicht vollständig oder ausgeglichen - es gibt mehr Fragen als Antworten. Letztes Jahr habe ich drei leckere Plätzchen-Rezepte empfohlen. Da ich aber dieses Jahr nicht so viele verschiedene Plätzchen backen wollte, habe ich das Ingwer- und das Zitronenplätzchen-Rezept zusammengeworfen. Und das Ergebnis ist lecker geworden! Ich habe dabei die unterschiedlichen Mehl und Butter-Verhältnisse der beiden Rezepte ungefähr gemittelt.
Hier also das neue Ingwer-Zitronen-Plätzchen Rezept: 200 gr Mehl 1/2 Päckchen Backpulver 2-3 TL abgeriebene Zitronenschale 2 cm gehackter Ingwer 120 gr Zucker (ich habe 40 gr Zucker durch Agavendicksaft ersetzt, noch besser wäre wohl Sirup) Saft einer 1/2 Zitrone 100 gr Butter 1 Ei 1 Prise Salz (habe ich vergessen) Erst die trockenen Zutaten vermischen. Zitronensaft hinzugeben. Geschmolzene Butter und Ei unterrühren. Kühl stellen. Kleine Kügelchen formen, auf ein Backblech setzen und zu einem kleinen Taler drücken. Bei 170 Grad Ober- und Unterhitze 15 min backen. Ergibt 2 Backbleche. Für noch mehr Schärfe oder Zitronengeschmack noch 1-2 TL gemahlener Ingwer oder noch mehr Zitronenabrieb hinzufügen. Die Plätzchen sind jetzt nicht sooo dekorativ, aber man kann ja sie ja auch noch verzieren, wenn man möchte. In der Schweiz kamen gerade zwei Volksinitiativen zur Abstimmung - und da denkt man in Deutschland vielleicht immer wieder: hach, das ist eine gute Ergänzung zur repräsentativen Demokratie. Bis man sich die Ergebnisse anschaut. Die Initiative "Für eine engagierte Schweiz" Initiative sieht vor, dass alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt erbringen müssen. Ziel ist, das Gemeinwohl zu stärken. Dieser Dienst soll entweder im Militär, im Zivilschutz oder in Form eines gleichwertigen Milizdienstes erbracht werden, wobei der Sollbestand von Armee und Zivilschutz garantiert sein muss. Die Initiative zielt darauf ab, die Sicherheit breiter zu denken und die Dienstpflicht stärker auf Bereiche wie Klimaschutz, Ernährungssicherheit und Betreuung auszurichten. Die Initiative "Für eine soziale Klimapolitik - steuerlich gerecht finanziert (Initiative für eine Zukunft)" möchte mehr Mittel für die Klimapolitik (Die Schweiz muss ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto null senken. Das hat die Stimmbevölkerung so beschlossen). Für Massnahmen, die zur Erreichung dieses Ziels beitragen, stehen dem Bund heute jedes Jahr rund 2 Milliarden Franken zur Verfügung. Diese Mittel stammen in erster Linie aus verbrauchsabhängigen Abgaben auf Brenn- und Treibstoffen sowie auf Strom. Zusätzliches Geld soll von einer Erbschafts- und Schenkungssteuer des Bundes kommen (Bisher kennen nur Kantone und Gemeinden eine solche Steuer). Neu soll der Bund zusätzlich eine Steuer von 50 Prozent auf den Nachlass und die Schenkungen einer Person erheben, wobei die ersten 50 Millionen Franken nicht besteuert werden. Leider weiß ich nicht, was in den Köpfen der Nichtwählenden vor sich geht - die Wahlbeteiligungen sind wie üblich, also unter 50% der Wahlberechtigten. Zudem bleibt mir auch völlig unklar, was in den Köpfen derer vor sich geht, die mit Nein stimmen. Beide Initiativen sind ja ganz offensichtlich zum Gemeinwohl und für eine gute und sichere Zukunft. Jede Ethik-Kommission müsste sie doch unterstützen, oder nicht? Ja, sie umzusetzen braucht vielleicht ein bißchen zusätzliches Personal, vielleicht müsste man auch etwas Geld dafür zusätzlich ausgeben. Aber warum auch nicht, für eine bessere und gerechtere Welt?
Für den Dezember greife ich ein aufmunterndes Thema auf, so dass es schön zur christlichen guten Nachricht des Monats passt. Mir ist dafür das Buch Factfulness eingefallen, das ich zwar gar nicht gelesen habe, das aber einen Test enthält, den ich online gemacht habe.
Die gute Nachricht besteht nun darin, dass man bei diesem Wissensquiz feststellen kann, dass der Zustand der Welt viel besser ist als man so gemeinhin annimmt. Die 13 Fragen drehen sich um Themen wie Armut, Naturschutz oder Bildung, sie stammen alle aus dem Bereich globale Entwicklung. Auf deutsch gibt es den Test auf verschiedenen Webseiten, z.B. hier oder hier (leider immer mit Werbung oder Cookies etc.). Es ist ein Multiple Choice Test mit immer drei möglichen Antworten. Antwortet man also total zufällig, hat man mindestens 30% der Antworten richtig. Interessant nun, dass Menschen auf der ganzen Welt ganz überwiegend nur 20% Prozent richtig beantworten konnten. Sie wissen weniger, als wenn sie raten würden! Hier scheint es sich also nicht um Nicht-Wissen, sondern um verzerrte Wahrmehmungen und Einschätzungen zu handeln. Und dazu kann ich auch sagen, dass rückblickend gesehen, das Thema Wahrnehmungsverzerrung (und andere kognitive Verzerrungen) eine der wenigen wirklich nützlichen Dinge war, die ich im Psychologie-Studium gelernt habe. Weil das Buch von 2018 ist, und das schon eine Weile her ist, habe ich mal geschaut, was sich seitdem getan hat. Tatsächlich ist es so, dass die schwedische Familie Roslund nicht nur dieses Buch geschrieben, sondern schon seit 2005 die Stiftung Gapminder (Seite leider nur auf Englisch oder Schwedisch) betreibt, bei der es darum geht auf Wissenslücken aufmerksam zu machen, vor allem auf diese systematischen Fehleinschätzungen, die zu pessimistisch sind. Die Stiftung führt weiterhin Studien durch, so wurden z.B. 2023 zum Thema Weltweite Migration neun Fragen zusammengestellt, bei denen eine deutliche Mehrheit sehr falsch antwortet. Also schlechter als der Zufall. Und auch deutlich schlechter als ChatGTP, der immerhin 5 von 9 Fragen richtig beantwortet. Das konnten nur 6% der Befragten. Eine typische Frage lautet: Wieviel Prozent der Kinder von Geflüchteten im Alter von 7-12 besuchten 2022 eine Schule? (<20%; ca. 40%; >60%). Und ja, wenn man jetzt schon weiß, dass man das vermutlich ungünstiger einschätzt als es nach Datenlage ist, kann man auf das richtige Ergebnis tippen. Allerdings ist es bei diesem neuerem Fragenset nicht mehr so, dass alle falschen Einschätzungen die pessimistischeren waren, aber doch die meisten. Die Kernidee der Stiftung ist, "etwas gegen die Ignoranz gegenüber der Ignoranz" unternehmen. Nachdem man festgestellt hat, dass viele Menschen – einschließlich Fachleute und politischer Entscheidungsträger:innen – ein verzerrtes, überwiegend pessimistisches Bild der Welt haben, wollte man etwas dagegen unternehmen. Menschen sollen über die Webseite der Stiftung (kostenlose) Werkzeuge erhalten, um Annahmen kritisch zu hinterfragen und sich ein faktenbasiertes Weltbild zu erarbeiten. Auf der Seite Gapminder.org kann man sich tatsächlich umfassend weiterbilden. Die Quizze zum "Upgrade of your worldview" stehen im Mittelpunkt, aber es gibt noch jede Menge mehr an Lehr- und Lernmaterial. Und alles faktenbasiert. Da ist im Zeitalter von fake news und Verschwörungsverschwurbeleien natürlich eine schöne Sache. Und Quizfragen anzubieten, bei denen gleich von vorneherein gesagt wird, übrigens 85% der bislang Befragten liegen hier falsch, finde ich eine witzige Idee. Mein innerer Besserwisser fühlt sich da immer gleich herausgefordert. Soweit also die aufmunternden Hinweise - wer den Test von 2018 oder die zig neuen Fragen auf der Webseite macht, ist am Ende hoffentlich gehobener Stimmung. Nicht nur hat man sich gerade fortgebildet, nein, man kommt zu dem erfreulichen Schluss, dass vieles gar nicht schlimm ist, wie man es eingeschätzt hat. Ich bin jedenfalls immer wieder von einigen meiner Fehleinschätzungen sehr beeindruckt. Und wer gerade ein wenig Optimismus gebrauchen kann, der liest am besten gar nicht weiter, sondern klickt oben auf die Links zu dem deutschen Quiz oder zur Gapminder-Seite mit den englischen Quizzes. Nun möchte mein innerer Skeptiker auch noch etwas ergänzen. Ich habe mich nämlich gefragt, ob es nicht genausogut möglich wäre, 13 oder 9 Fragen zum Zustand der Welt zusammenzustellen, bei denen sehr viele falsch lägen - weil sie die Übel gar nicht so schlimm einschätzen. Das könnte ich mir gut vorstellen, zum Beispiel bei Fragen zur Häufigkeit von Suizid oder auch was die Häufigkeit von Steuerhinterziehungen betrifft, das Ausmaß an Privilegien von Reichen und Mächtigen. Ach, ich beende die Liste von Scheußlichkeiten lieber mal hier. Vielleicht sind die durchgeführten Studien der Stiftung Gapminder tatsächlich umfassend genug, um damit aussagen zu können, dass beim Thema "Globale Entwicklungen" vieles zu pessimistisch gesehen wird. Ich fände es aber schon gut, wenn die Stiftung darauf hinwiese, dass dies bei anderen Themen eventuell nicht so zutrifft. Zudem gerade bei den Themen, die Menschen auf nationaler Ebene bewegen (Kriminalität, Gewalt, Zusammenhalt etc.) die Erhebung zuverlässiger Daten (und damit die angepriesene Factfulness) selbst ganz schön problematisch ist - Stichwort Dunkelziffer oder Messen von Stimmungslagen oder die Schwierigkeit Entwicklungen zu messen, wenn ein Thema im Lauf der Zeit anders wahrgenommen wird - zum Beispiel Gewalt gegen Kinder oder Partnerinnen. In meinem Studium habe ich auch gelernt, dass Studien zuverlässig beschreiben können, dass Menschen mit einem optimistischen Weltbild glücklicher und auch erfolgreicher durchs Leben gehen. Soweit vielleicht auch nicht verwunderlich. Es ist aber auch so, dass sie weiter von der Wahrheit entfernt sind als Menschen mit einem pessimistischeren Weltbild...Und so kann man ja die besinnlichen Momente im Dezember dazu nutzen, herauszufinden zu welcher Gruppe man eher gehört oder gehören möchte - lieber sich etwas vormachen und zufriedener sein? Oder lieber sich an Wahrheiten orientieren und eine schlechtere Stimmung in Kauf nehmen? Also ich bin da noch nicht entschieden. Heute ein Update zu Was guckst du?, den Blogeintrag Digitale Teilhabe, den ich vor einem Jahr geschrieben habe. Schon vor 6 Monaten hatte ich weitere Serien ergänzt, an der Kursivschrift zu erkennen.
Ich kann aus der letzten Zeit diese 6 Serien empfehlen. Ich fand sie alle ausgesprochen unterhaltsam und gut gespielt. Da wäre in der Rubrik "Krimi+" - Bodkin - Panhandle - The Florida Detective - Undercover Seniorenheim/Man on the Inside Das sind alle keine echten Krimis, aber es geht halt doch um Kriminalfälle. Praktisch ohne Gewaltdarstellungen, dafür mehr Comedy oder Figurenentwicklung. Alle auf Netflix. Und in der klassischen Rubrik "Dramedy" diese (Mini-)Serien, ebenfalls Netflix: - North of North - Colin from accounts - Animal Alle drei wurden in abgelegenen Gegenden gedreht (aus deutscher Sicht), also endlich mal ein neues Lokalkolorit und nicht nur Mainstream-USA. Die beiden englischsprachigen kommen aus Kanada und Australien, die spanischsprachige aus Nordspanien. Dann wurde ich beim Pepys' Tagebuch-Lesen auf diese Doku aufmerksam, die schon einige Jahre alt, aber auf youtube noch zu finden ist: Tales from the Valley Mehrere Personen leben ein Jahr lang auf einem Bauernhof wie im 17. Jahrhundert. Im Vordergrund stehen die geschichtswissenschaftlichen Interessen der BewohnerInnen für Landwirtschaft und Kochen. Für jeden Monat gibt es eine Folge und die jahreszeittypischen Aufgaben auf einem kleinen Bauernhof. Jetzt gerade schaue ich Staffel 2 der Serie "Die Mafia mordet nur im Sommer". Läuft aktuell bei arte, auch die erste Staffel. Aufgehängt an realen Ereignissen 1979 und 1980 auf Sizilien - die Morde der Mafia, die selbstverständlich auch im Winter weitermordet - erzählt aus der Perspektive einer Familie, deren Probleme alle mit diversen Mafia-Themen verbandelt sind. Hier geht es also zur neuen Liste. Oh - ganz vergessen habe ich die "Dokumentation" auf ARD Werwölfe - Das Spiel von List und Täuschung Es ist eine Reality-Spielshow und vermutlich nur für Menschen interessant, die das Gesellschaftsspiel (Rubrik: Social Deduction) "Die Werwölfe von Düsterwald" kennen und mögen. Da echte Menschen das Spiel über mehrere Tage spielen, wurden einige Regeln verändert oder angepasst. Auch wenn die Show nachher so zusammengeschnitten wurde, dass man als Zuschauer/in auf bestimmte Fährten gelockt wird, hat mir das Mitraten trotzdem viel Spaß gemacht. Frau Brüllen fragt "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" und sammelt auch die Antworten.
7 Uhr, der Wecker klingelt, gilt aber nicht für mich, gemütlich umdrehen und noch weiter dösen. 8:15 Uhr wach und meine Fitbit App checken, die mir sagt mein Schlaf sei mäßig gewesen, 79 Punkte Schlafindex. Ich fand meinen Schlaf gut, ab 80 gilt der Schlaf wohl auch offiziell als gut. Die App empfiehlt mir heute zu trainieren - wo bitte kann ich Empfehlungen dieser Art abstellen?? Anscheinend gar nicht. Grmpf. Leckeres Frühstück mit aus Süddeutschland importiertem Bauernbrot. Geht direkt über in die erste Zwischenmahlzeit mit leckeren Feigen und Apfelschnitzen. Beides aus dem eigenen Garten! Tageszeitung und Blogs lesen. Kalenderblatt gestern nicht umgedreht, deshalb sind heute zwei Kunstwerke zu betrachten. Vormittags ein Billardsalon von Edgar Degas (tolle Perspektive), nachmittags dann ein Elbschiff im Frühnebel von Caspar David Friedrich. Auch sehr schön. Passt aber gar nicht zum Wetter heute, sonnig und mild. Möchte das Fenster öffnen, aber just in dem Moment fängt der Laubbläser auf der anderen Straßenseite an zu lärmen. Immerhin nicht morgens um sieben. Klavier üben. Bald kann ich zwei Stückchen mehr, bin kurz davor, sie fehlerfrei spielen zu können. Das ist sehr befriedigend. Auf in mein Nähzimmer. Das Regenjacken-Ärmelkürzungsprojekt habe ich schon vorgestern frustriert beiseite gelegt. Heute also irgendwas anderes machen. Werde heute insgesamt vier kleine Sachen machen, bin anscheinend in kreativer Anfangsstimmung. Eine Sache kann ich beenden, auf das andere freue ich mich dann schon morgen. Die zwei weiteren kommen irgendwann mal wieder dran. Leckeres Mittagessen mit Linseneintopf und Würstchen. Weiter geht es mit Pausen und den Nähprojekten. Feigentrocknungsprozess auf der Heizung checken. Alles gut, kein Schimmel. Mit Sohn unterhalten, leider nicht alles gut, muss mich über die Schule ärgern. Dann noch lesen und Abendbrot mit Familie. Halbe Paprika zu Mini-Salat schnippeln, Himbeeressig ist gerade der neue Trend. Zitronensaft im Kühlschrank stehen sehen, achja, ich hatte ja eigentlich Lemon Curd machen wollen. Leider heute schon wieder zu satt für einen Bratapfel. Dabei wartet der schon ausgestochen darauf in die Mikrowelle geschoben zu werden. Blogartikel diktieren und Fitbit checken. 1.675 Schritte, das ist gut. Schlafen gehen. (Wer mich nicht kennt und hier zum ersten Mal liest: ich habe seit 8 Jahren ME/CFS und kann die Wohnung nicht verlassen, weil ich ständig Ruhepausen einlegen muss.) Seit 1880 ist bekannt, dass älter werden und sterben in der Natur gar nicht zwingend notwendig sind - an mir war dieses Wissen bisher aber vorübergegangen. Dabei interessiere ich mich für Biologie. Ich hatte noch mitbekommen, dass ein Axolotl ewig jung bleibt und seine Gliedmaßen nachwachsen lassen kann, aber das hielt ich immer noch für eine Art Trick, die eigentlich normalen Alterungsprozesse zu umgehen. Aber siehe, es ist ganz anders. Und da das Thema Tod und Sterben irgendwie gut in den November passen, dachte ich, ich lasse mein neuerworbenes Wissen mal unter die Leute. Ich finde die Erkenntnis phänomenal. Auch wenn das Wissen jetzt keine direkten Auswirkungen nach sich zieht, gibt es doch einen gewissen neuen Kontext, in dem man mal über sein eigenes Leben oder das Leben als solches nachdenken kann. Ich beziehe meine Kenntnis von einem Tagesspiegel-Artikel von Sascha Karberg. Da der Artikel für die meisten Menschen hinter einer Paywall steckt, zitiere ich den ersten, relevanten, Teil des Artikels, die hinteren Teile fasse ich zusammen. Als das Leben auf den Tod kam: Die Erfindung der Sterblichkeit – und warum sie so wichtig ist. "Als „das einzig Sichere“ im Leben beschrieb der Philosoph Friedrich Nietzsche 1882 den Tod. Und wohl bis heute werden die meisten Menschen zustimmen, aufgrund ihrer Erfahrung mit der alltäglichen Vergänglichkeit von Menschen, Tieren und Pflanzen, dass Leben und Tod untrennbar miteinander verbunden sind. Und doch ist dem nicht so. Sicher: Den Tod kann es ohne Leben nicht geben. Sterben kann nur, was gelebt hat. Doch das Leben selbst kann auf den Tod sehr wohl verzichten. Tatsächlich gab es in den ersten ein bis zwei Milliarden Jahren seit der Entstehung des Lebens weder Altern noch „natürliches“ Sterben. Der Tod ist eine recht neue Erfindung der Evolution. Wie auch immer das Leben auf Erden begann, es kam lange vor dem Tod auf die Welt. Die ersten Zellen, die sich vielleicht vor 3,8, vielleicht schon vor 4,6 Milliarden Jahren in der Ursuppe zu teilen und vermehren begannen, waren „potenziell unsterblich“, wie Biologen sagen. Zwar gingen hier und da Zellen aufgrund von Hitze oder Kälte zugrunde oder die eine Bakterie fraß die andere. Doch ohne solche Zwischenfälle, unter konstant guten Umweltbedingungen, können Bakterien und Einzeller damals wie heute prinzipiell ewig leben, denn sie altern nicht. Eine „Kindheit“ oder „Jugend“, einen allmählichen Verlust ihrer Körper- bzw. Zellfunktionen kennen sie nicht. Zwar wachsen auch Bakterien und Einzeller, doch irgendwann teilen sie sich und gehen vollständig in den beiden Tochterzellen auf. Kein Leichnam bleibt zurück. Der Faden des Lebens reißt nie ab. Erst seit es mehrzellige Lebewesen gibt, seit frühestens zwei Milliarden, spätestens seit 600 Millionen Jahren, existiert auch der Tod als ein von der Natur grundsätzlich vorgesehenes Ende des Lebens. Mal wird der Schlussstrich schon nach wenigen Stunden gezogen, wie bei Eintagsfliegen, mal dauert es Jahrtausende, wie bei Riesenmammutbäumen oder Schwämmen. Über 10.000 Jahre alt soll ein Exemplar des Riesenschwamms Anoxycalyx joubini am antarktischen Ozeanboden sein, das damit als das älteste bekannte Tier der Welt gilt. Unter den Pflanzen hält Neptungras (Posidonia oceanica) den Rekord, mit gut 100.000 Jahren. Aber auch wenn manche Arten mal früher, mal später sterben, in der Regel ist der Tod unausweichlich. Die Frage ist, warum sich die Evolution irgendwann vom ewigen aufs sterbliche Leben verlegte, obwohl sie Milliarden Jahre lang darauf verzichten konnte? Von Anbeginn an waren Zellen, die kleinsten Einheiten des Lebens, widrigen Umweltbedingungen ausgesetzt. Sie mussten der UV-Strahlung, Umweltgiften, Kälte und Hitze trotzen. Nur wer ausgeklügelte Schutzvorkehrungen und Reparaturprozesse entwickelte, überlebte. Zum Werkzeugkasten jeder Zelle gehören deshalb Enzyme, die Fehler im Erbgut verbessern, kaputte Proteine zersetzen und recyceln und Membranen flicken können. Aber mit der Entstehung vielzelliger Organismen erwiesen sich diese Reparaturprozesse entweder als zu aufwendig oder als unnötig. Als aus den Einzellern nicht mehr zwei identische, sondern unterschiedlich befähigte Zellen entstanden, etwa spezialisiert auf Verdauung, auf Fortbewegung, auf Wahrnehmung, auf Reizweiterleitung oder Schutz, war es offenbar effektiver, nur jene Zellen fit und unsterblich zu halten, die zur Fortpflanzung bestimmt waren: Ei- und Samenzellen, die Keimzellen. Nur diese knüpfen das seit den ersten Urzellen bestehende Band des Lebens weiter, die „Keimbahn“, wie Biologen sagen. Die übrigen Zellen – das „Soma“, das den Körper des Menschen, eines Elefanten, eines Wurms oder eines Baumes bildet – sind hingegen entbehrlich und sterben. Der natürliche Tod ist keine primäre Notwendigkeit, sondern wurde im Laufe der Evolution erworben. Der Erste, der diese Trennung von Keimbahn und Soma und ihre Konsequenz für die Sterblichkeit formulierte, war August Weismann, Evolutionsbiologe und Zoologie-Professor an der Universität Freiburg. In einer Reihe von Essays zwischen 1881 und 1891, veröffentlicht in seinen „Aufsätzen über Vererbung und verwandte biologische Fragen“, postulierte er: „Der natürliche Tod ist keine primäre Notwendigkeit, sondern wurde im Laufe der darwinistischen Evolution sekundär erworben.“ Und: „Die Evolution führte zu einer endlichen replikativen Lebensdauer der somatischen Gewebezellen.“ Obwohl Weismann damals weder von Genen noch von DNA wusste, lag er richtig. Der Tod ist ein Produkt der Evolution....Offenbar war genau das, die Trennung von unsterblicher Keimbahn und sterblichem Soma, der entscheidende evolutive Vorteil, der Vielzellern ermöglichte, die Welt zu erobern. So konnten sie ihre sterblichen Hüllen so perfekt verändern, dass sie selbst widrigste Lebensräume an Land und sogar in der Luft erschließen konnten. Die Erfindung des Sterbens ist evolutiv so erfolgreich, dass kein Vielzeller bekannt ist, der unsterblich wäre. Höchstens der Süßwasserpolyp Hydra vulgaris [wird 5-15 mm groß].Tatsächlich ist dieses Nesseltier der einzige Vielzeller, der das Attribut „unsterblich“ verdient. Weder altert es noch stirbt es nach einer gewissen Lebenszeit. Abgeschnittene Tentakel wachsen nach. In Einzelteile zerstückelt finden die Zellen entweder wieder zueinander oder es erwachsen daraus neue Polypen." Der Artikel beschreibt weiter, wie Stammzellen und Krebszellen langlebiger sind und wie bestimmte Gene in diesen Zellen zu mehr Regenerationsfähigkeit und damit Langlebigkeit der Zellen führt. Das Nesseltier Hydra hat mehr Stammzellen als spezialisierte Körperzellen, von letzteren gibt es nur ein paar Sinnes-, Nerven- und Hautzellen, aber keine Organe. Behauptet wird, dass es zu energieaufwändig sei, dass ein menschliches Organ sich ständig mit Stammzellen erneuere. Ein wichtiges Gen heißt FoxO und ist im Menschen wie im Nesseltier vorhanden, nur bei uns leicht mutiert und daher weniger aktiv.
Dann wird argumentiert, dass das Altern und Sterben der Vielzeller evolutionär erfolgreicher ist - was auch mit wissenschaftlichen Modellen nachgerechnet wird und damit als "bewiesen" gilt. Nicht-sterbliche Vielzeller geraten in eine Ressourcen-Konkurrenz mit ihren Nachkommen. Schließlich meint der Autor, dass unsere Angst vor dem Tod sich ja nur evolutionär entwickeln konnte: "Unser Gehirn mag gegen die Unvermeidlichkeit des Sterbens aufbegehren, weil uns unser Bewusstsein anders als Tieren den nahenden Tod vor Augen führt. Aber diese Fähigkeit zum Denken, zu sozialem Zusammenleben, zu Kultur hat sich überhaupt nur infolge des Todes-Tricks der Evolution entwickeln können." Er kann sich mit der eigenen Sterblichkeit anscheinend anfreunden: im "Dienste der Arterhaltung" für die neue Generation Platz zu machen, "denn sie könnten jene Mutationen mit sich bringen, die eine (noch) bessere Anpassung an die Umwelt ermöglichen." Also, das führt zwar jetzt vom eigentlichen Thema (potenzielle Unsterblichkeit der Einzeller) weg, aber ich möchte noch kurz etwas zum letzten Absatz kommentieren. Ich kann dem Autor da nicht folgen. Ich gehe davon aus, dass Natur und Evolution im Menschen zwar Wert- und Moralvorstellungen haben entstehen lassen, selbst jedoch keinerlei Werte vertreten, die uns Menschen etwas bedeuten. Fairness, Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit finden sich da beispielsweise nicht. Warum sich das Leben (oder die Biosphäre) zu immer mehr Mannigfaltigkeit entwickelt, erscheint mehr so ein Selbstzweck zu sein und ist doch ziemlich wertneutral (wenn es auch in Staunen versetzt). Warum sich als Mensch in den Dienst der Evolution und die bessere Anpassung an sich verändernde Lebensbedingungen stellen? Das wäre doch ein Akt großer Demut. Aktuell kann ich von einer solchen Haltung in der westlichen Zivilisation auch ausgesprochen wenig erkennen. Noch nicht mal eine abgespeckte Form der Demut, nämlich eine solche, die auch eigennützig wäre, wie z.B. "im Dienste der eigenen Lebensgrundlagenerhaltung" Verzicht zu üben, der Natur mehr Spielräume zu überlassen und nicht gnadenlos auszubeuten, ist in nenneswertem Ausmaß zu erkennen. Übrigens sind unsere Vorstellungen von der Evolution stark durch unsere kulturelle Brille (Marktwirtschaft) geprägt und das Buch "Survival of the Nettest" von Dirk Brockmann korrigiert die viel zu starke Betonung von Konkurrenz durch zahlreiche Gegenbeispiele über Kooperation in der Natur. Aber das eigentliche Thema war ja ein anderes. Falls sich also jemand fragt, oder von Kindern schonmal gefragt wurde, "Warum müssen wir sterben?" dem gibt die Biologie eine klare Antwort: weil wir Mehrzeller sind. Aber man kann natürlich auch antworten: weil das mit der Genschere noch nicht so gut klappt. Die Forschung wird aber früher oder später dahinterkommen. Und wenn wir dann die ewige Zellverjüngung beherrschen, dürfte das Thema Übergewicht praktischerweise der Vergangenheit angehören – schließlich braucht die Zellreparatur mehr Energie. Nur die Sache mit der Überbevölkerung, das wird noch knifflig. WmdedgT - Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Eine Frage, die sich eine ganze Reihe von Leute stellen und gegenseitig beantworten. Hier nachzulesen.
Ich habe die Frage heute zum Anlass genommen, mir noch eine weitere Frage selbst zu beantworten, die mich schon eine Zeit lang interessiert: wie viele Stunden verbringe ich außerhalb des Bettes? Wie häufig stehe ich auf und kann aktiv sein und wie viele Ruhepausen lege ich ein? Also habe ich das mal protokolliert und versucht mich ganz unbeobachtet zu fühlen und normal zu verhalten. Kleiner Hinweis: das ganze nennt sich Pacing und ist eine notwendige und hilfreiche Maßnahme bei ME/CFS. 8:30 aufgewacht und am Handy gelesen 8:50 aufgestanden, gefrühstückt und aufgeräumt; zu blöd gewesen Batterien richtig herum ins Thermostat einzusetzen, Wohnzimmer blieb heute deshalb ziemlich kühl 9:30 Ruhepause 9:50 am Handy gelesen 10:10 Ruhepause 10:35 im Bett telefoniert, aufgestanden, gewaschen und angezogen 11:15 Ruhepause, kurze Unterbrechung um Tochter zu begrüßen 12:25 aufgestanden und gemeinsam Mittag gegessen 12:55 Ruhepause 13:45 aufgestanden und Tochter zum Packen gedrängt, packen geholfen, aufgeräumt 14:20 Ruhepause 14:50 aufgestanden, Reiseproviant vorbereitet, Tochter verabschiedet 15:25 im Bett gelesen 15:50 Ruhepause 16:20 aufgestanden, Gartenäpfel sortiert, mitgebrachte Gartenschnecke im leeren Eimer vor die Wohnungstür ins Treppenhaus gestellt, in der Hoffnung, jemand anderes kümmert sich 16:25 im Bett YouTube Mittelalterdoku geschaut 16:45 Ruhepause 17:15 am Handy gewesen und gelesen 17:25 aufgestanden, Teppich "nähpariert" 17:45 Ruhepause 17:55 zurückkehrende Familienmitglieder begrüßt, im Bett unterhalten 18:05 aufgestanden, gemeinsam zu Abend gegessen 18:30 Ruhepause 19:15 im Bett Musik gehört und gelesen 19:50 Ruhepause 20:45 im Bett diesen Artikel geschrieben, unterbrochen von panischem Tochter-Anruf, den Hausschlüssel vergessen zu haben 21:05 Ruhepause, unterbrochen von erleichterter Tochter mit Nachricht, den Schlüssel doch gefunden zu haben 21:45 im Bett liegend diesen Artikel ergänzt 22:00 Ruhepause 22:25 aufgestanden und Nahrungsergänzungsmittel genommen 22:35 im Bett liegend diesen Blogartikel ergänzt 22:45 Ruhepause 23:30 aufgestanden, Zähne geputzt, schlafen gegangen. Und hier nun die Auswertung: 8 Stunden Ruhephase im Bett 3 Stunden Aktivität im Bett liegend 4 Stunden Aktivität außerhalb des Bettes Aha, soso. Nun weiß ich das endlich. Ich meine, war das wirklich zu viel verlangt von meinem Kopf und Gedächtnis, 13 Ruhephasen mit unterschiedlicher Dauer oder 20 Aktivitäten im Kopf grob zusammen zu rechnen? Naja, wohl schon. Übrigens war das Pacing des heutigen Tages etwas suboptimal, ein bisschen zu viel Aktivität und zu wenig Ruhephasen. Sagt mir mein Körpergefühl am Abend, die Anzahl der absolvierten Schritte mit ca. 1.500 aber im üblichen Rahmen. |
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